„Verantwortung ist eine Haltung.“
Ruth Neumöller*, Leiterin Nachhaltigkeit der Bastei Lübbe AG, über Verantwortung aus der Perspektive einer Verlagsgruppe, die unterschätzte Rolle von Technologie in nachhaltigen Prozessen und Herausforderungen auf den letzten Metern.
Was macht Bastei Lübbe in Sachen Nachhaltigkeit besser als andere Unternehmen?
Zunächst einmal: In Bezug auf nachhaltiges Engagement hat jedes Unternehmen seinen eigenen Blick und ganz individuelle Herausforderungen. Wir stehen in dieser Hinsicht in keinem Wettbewerb zueinander. Jedes Unternehmen sollte versuchen, für sich die bestmöglichen Lösungen zu finden. Und sich immer wieder fragen: Können wir nicht noch mehr tun? Verantwortung ist eine Haltung.
Inwieweit hat sich die Nachhaltigkeitsarbeit in den letzten Jahren verändert?
Es sind verschiedene Dinge, die eine Rolle spielen. Technologie ist sicherlich ein starker Motor. Dem Fortschritt in der Software- und Computer-Technologie ist es zu verdanken, dass wir inzwischen den kompletten Korrekturprozess für Bücher und andere Medienprodukte digitalisiert haben. Verglichen mit früheren Abläufen sparen wir hier bei jedem Buch etwa tausend Seiten Papier.
Und über die Technologie hinaus?
Wichtig sind auch gesellschaftliche Trends oder besondere Ereignisse, die dann Entwicklungen beschleunigen. Hätte es zum Beispiel die Corona-Pandemie nicht gegeben, wäre das Thema „Home Office“ heute sehr viel weniger selbstverständlich. Ich glaube, Unternehmen können von solchen Dynamiken durchaus profitieren. Indem sie sich an die Seite ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellen, mit ihnen gemeinsam Lösungen entwickeln und damit sagen: Ja, auch wir als Unternehmen wollen uns verändern. So etwas wird mit Loyalität belohnt.
Und in Zukunft? Wird Bastei Lübbe irgendwann ein komplett klimaneutrales Unternehmen sein?
Sagen wir so: Dieses ist unser Ziel und wir werden ihm immer näher kommen. Aber je mehr man sich mit Prozessen und technologischen Möglichkeiten auseinandersetzt und auch Limitationen zu akzeptieren lernt, desto klarer wird: Die größten Herausforderungen kommen zum Schluss. Im Moment arbeiten wir fast papierfrei, unsere Quote liegt bei 95 Prozent. Der Weg bis hierher war vergleichsweise einfach. Aber diese letzten fünf Prozent, die haben es wirklich in sich.