„Daydream“ ist für mich ein Buch mit sehr viel Feinfühligkeit, Emotionalität und Herzensgüte. Selten habe ich ein Buch so sehr genossen und so begeistert verschlungen, wie dieses hier. Einerseits war es einfach unglaublich schön, nach Maple Hills zurückzukehren und alle meine Lieblingscharaktere wiederzutreffen, denn das ist, wie alte Freunde zu treffen und ein Stück weit nach Hause zu kommen, andererseits war ich auch gefesselt und fasziniert von der Geschichte, die Hannah Grace nun Henry, den wir seit Band 1 kennen und vielleicht auch lieben, und Halle, die noch recht neu in unserem Maple-Hills-Universum ist, gegeben und wie sie ihren Figuren auf beeindruckend tiefgründige, gefühlvolle, sympathische und humorvolle Art Leben eingehaucht hat. Damit hat sie sich für mich seit Band 1 so unglaublich viel weiterentwickelt. Schon in den vorigen Büchern fand ich es absolut positiv, wie sensibel und empathisch auch auf wichtige und schwierige Themen eingegangen und wie passend diese in die Geschichten eingebunden wurden, aber hier erreicht das für mich nochmals ein neues wunderbares Level.
So geht es beispielsweise unter anderem darum, dass man keinen Alkohol braucht, um von anderen gemocht zu werden, sondern dass sie einen um seiner selbst willen mögen sollten, dass Jungfräulichkeit keinesfalls etwas Schlimmes, sondern viel mehr nur ein soziales Konstrukt ist, dass es beim Sex nicht um gegenseitige Gefälligkeiten, sondern vor allem um Einverständnis, Wohlfühlen, Vertrauen und Freiwilligkeit geht, und dass man auch ohne das Label „Beziehung“ glücklich zusammen sein kann, solange man gerne Zeit miteinander verbringt und sich in der Gesellschaft des anderen gut fühlt. Es gibt einfach so viele wunderbare Momente der Offenheit und der Bestärkung, dass es sich für mich befreiend und inspirierend angefühlt hat, das zu lesen und ich werde daraus auch auf jeden Fall viel für mich mitnehmen.
Und auch abseits von diesen Themen kann ich eigentlich nur positiv über das Buch sprechen, denn ich mag die Protagonisten Halle und Henry sehr gerne und freue mich riesig darüber, mit „Daydream“ einen tieferen Einblick in Henrys Gedankenwelt erhalten zu haben, die sich so deutlich von der anderer Menschen unterscheidet, denn sein Gehirn funktioniert eben einfach anders. Aber genau das liebe ich auch irgendwie an ihm, denn dadurch, dass er an vielen Stellen anders denkt, als andere, bringt er oftmals neue Sichtweisen und Denkanstöße mit. Aber anders herum sind für ihn Dinge, die für andere selbstverständlich sind, oft ziemlich schwer. Beispielsweise bemüht er sich unheimlich stark, seiner neuen Rolle als Captain gerecht zu werden, aber hat trotzdem bei jeder Niederlage das Gefühl, dass es seine persönliche Schuld ist, auch wenn alle ihm zu verstehen geben wollen, dass es keinesfalls allein an ihm liegt, sondern dass sie als Team gewinnen, wie auch als Team verlieren. Henry verliert sich oft in seinen Gedanken und schafft es nur schwer, sich für Dinge zu motivieren, aber Halles Gesellschaft genießt er, denn er fühlt sich wohl mit ihr, kümmert sich um sie und möchte ihr gerne etwas zurückgeben, was er so noch nie erlebt hat.
Damit ist er aber auch der erste Mensch in Halles Leben, der sie nach ihren Bedürfnissen fragt, denn Halle ist eine notorische People Pleaserin und weiß irgendwann selbst nicht mehr, ob sie Dinge tut, weil sie es selbst möchte oder weil es von ihr erwartet wird. Daher tut es ihr so gut, dass Henry nichts von ihr erwartet, sondern sie ganz sie selbst sein und sich finden lässt, zum Beispiel, indem er ihr Erfahrungen für ihren Roman schenkt. Dieser entwickelt sich, genau wie sie selbst, mit der Zeit weiter. Ich finde es wunderbar, wie sehr Halle sich weiterentwickelt, dass sie Freunde findet und all das nachholt, was sie nie tun konnte, weil auf ihr als „Familienmanagerin“ immer viel zu viel Verantwortung gelastet hat, dass sie lernt, Nein zu sagen und auch, ihre Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen und dafür einzustehen.
Abschließend kann ich nur sagen, dass es sich für mich anfühlt, als wäre mit „Daydream“ die Reihe zu einem gelungenen Abschluss gekommen. Es war wirklich so schön, die Charaktere vom Beginn an zu begleiten und auch die Nebencharaktere in jedem Buch wieder erwähnt zu wissen, wo manche von ihnen sogar noch größere und wichtigere Rollen bekamen, wie Cami zum Beispiel, die Halle gezeigt hat, was echte Freundschaft bedeutet und wie schön sie ist. Ich habe es absolut geliebt, Zeit in Maple Hills und natürlich auch mit Henry und Halle zu verbringen.